Ungarn - eine Reiternation
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Wir werden als Reiternation
bezeichnet, und dazu bekennen wir uns auch. Der in der Geschichte Ungarns vorzufindende
Einflub der Pferde, Wanderungen zu Pferde und vom Reiten, der das Volk sozusagen formte,
ist in der bis heute vorhandenen Liebe zu Pferden am offensichtlichsten. Die Vorfahren der
Ungarn lebten im Zentrum der eurasischen Nomadenhirten, für deren Lebensweise die Haltung
und Nutzung von Pferden typisch war. An die Vorfahren zur Zeit der Landnahme erinnern
heute Reitvorführungen mit Kampfspielen dieser Zeit, bei denen Bögen, krumme Säbel, der
Forkosch (ung. Waffe: Stock mit Axtgriff) und Speere zum Einsatz kommen. Die nach uralter
Weise hergestellten Sättel aus Holz passen gut zu ihren Pferden, zu den Türkmenern, die
den Besuchern die Vergangenheit ebenso in Erinnerung rufen wie die typischen Unterkünfte,
die Jurten, und die Speisen. Die verschiedenen Traditionen, Gegenstände, Geräte und Gebäude des nomadischen Hirtenlebens werden in Europas vielleicht herrlichsten Pubten, in Hortobágy und Bugacpuszta, gewahrt und gepflegt. In diesen wunderschönen Gebieten leben auch bodenständige Tiere, wie ungarische graue Rinder, Büffel und Zackelschafe. |
| In Europa ist der gurtlose
Pferdehirtensattel (Pardune), der ein schnelles Verfolgen entlaufener Tiere ermöglicht,
fast ausschlieblich in diesem Gebiet zu finden. Kennzeichnend für die ungarischen
Pferdehirten sind auberdem ihr typisches Gewand und ihre Hetzpeitsche. Die in der ungarischen Geschichte bekanntesten Reiter waren die Husaren, deren Ursprung bis zu unseren Vorfahren der Völkerwanderung zurückreicht. Vom Altertum bis zum XIX. Jahrhundert war für die Völker der Reiternomaden der eurasischen Steppe die Waffengattung der Leichtkavallerie, also leichte Pferde und leichte Bewaffnung, kennzeichnend. Vorherrschende Waffe war der Pfeil. Typisch für ihre Taktik waren Täuschungsmanöver, zu denen z.B. das plötzliche Umkehren aus vorgetäuschten Rückzügen gehörte. Dieses Kampfverhalten entfaltete sich in den "abenteuerlichen" Feldzügen der Ungarn. Die ersten Husarenregimente stellte 1741 Mária Terézia, Kaiserin von Habsburg, auf. Die “Husaren als Waffengattung” - mit ihren prächtigen Uniformen und ihrer Satteltechnik - wurde durch die Ungarn von Frankreich über Russland bis hin nach Amerika auf der ganzen Welt verbreitet. |
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Heute werden Erinnerungen
an die ungarischen Husaren und das ungarische Militär in Vereinen zur Pflege der
Traditionen gewahrt. Ihre Vorführungen und wunderbaren, uniformierten Aufmärsche sind
wahrhaft sehenswert und spektakulär. Die Ungarn standen in vielen Fällen an der Spitze revolutionärer Erneuerungen. Eine der wohl bedeutendsten Erfindungen Ungarns hinsichtlich des Reitens war die "Entdeckung" des Wagens. Geschichtsschreibern zufolge bekam der Wagen seine Bezeichnung nach einem kleinen, zwischen Wien und Budapest gelegenen, Dorf, Kocs, das vor allem vom Wagenbau und Fuhrwerken lebte. Auch hinsichtlich der Benutzung der Werkzeuge zum Ein- und Ausspannen, der Geschirre, des Behanges oder des Zaumzeugs sowie der Herausbildung der Ein-/Ausspann- und Fahrtechniken (Zweier, Vierer, Fünfer) übten die ungarischen Erfindungen und Methoden einen groben Einflub auf die Aubenwelt aus. |